Studie: Niemand will ins Heim – Klarer Auftrag an die Politik
Mai 2010. Nur 9 Prozent von über 6200 Befragten können sich vorstellen, den letzten Abschnitt ihres Lebens im Heim zu verbringen. Das ist eines der aufschlussreichen Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung.
Nach Ansicht der Bundesinitiative Daheim statt Heim sind die Resultate ein klarer Auftrag an die Politik.
Kernpunkt der Versichertenbefragung im Auftrag von COMPASS, der Pflegeberatung der privaten Krankenversicherer, waren die Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen an die Pflege. Die Ergebnisse bestätigen die Bundesinitiative Daheim statt Heim eindrucksvoll in ihren seit Jahren aufgestellten Forderungen: Lediglich 9 Prozent der Menschen wollen ihren letzten Lebensabschnitt in einer stationären Pflegeeinrichtung verbringen. Eine Pflege im betreuten Wohnen/Servicewohnen können sich 18 Prozent der Befragten vorstellen. Im Umkehrschluss bedeutet das: 73 Prozent der Menschen wollen bis zum Schluss in den eigenen vier Wänden leben. Mögliche Gründe für eine Heimpflege werden immer weniger akzeptiert, je älter die Befragten sind. Nur wenige der über 90-Jährigen können sich Vereinsamung als Grund vorstellen. Auch Verwirrtheit wird mit höherem Alter immer weniger als Anlass für einen Umzug ins Heim akzeptiert. Und noch ein Ergebnis ist bemerkenswert: 48 Prozent der Menschen fühlen sich schlecht oder sehr schlecht über das Thema Pflege informiert. Silvia Schmidt, Mitinitiatorin der Bundesinitiative Daheim statt Heim, zu den Resultaten der Untersuchung: „Die Politik muss endlich akzeptieren, dass Pflegeheime keine von den Menschen in unserem Land akzeptierte Wohnform sind. Stattdessen müssen wir den ambulanten Bereich ausbauen und dafür auch Geld in die Hand nehmen. Und wir müssen die Menschen besser über die Möglichkeiten einer individuellen Versorgung informieren. Pflege muss endlich den Menschen dienen und nicht umgekehrt!“
Über die Studie: Für die Versichertenbefragung von COMPASS, der Pflegeberatung der privaten Krankenversicherer, hatten vier Versicherungsunternehmen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie an der Charité-Universitätsmedizin in Berlin in der zweiten Jahreshälfte 2009 20.000 Versicherte befragt und 6.218 Fragebögen zurückbekommen. Die starke Beteiligung von Befragten im höheren Alter – im Durchschnitt waren die Antwortenden 74 Jahre alt - belegt das zunehmende Interesse am Thema Pflege in den älteren Generationen. Die Studie zeigt aber auch, dass bereits Bevölkerungsgruppen unmittelbar über dem 40. Lebensjahr dem Thema sensibel gegenüberstehen.
Quelle: http://www.bi-daheim.de
Kommentare
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